Österreich hat einen neuen Sommelier-Staatsmeister

Lookcook 16. November 2018 - 14:28

Österreich hat einen neuen Sommelier-StaatsmeisterDas Niveau aller teilnehmenden Sommeliers war so hoch wie nie zuvor. Praktisch alle Teilnehmer verfügen über Erfahrung in der internationalen Spitzengastronomie, die meisten haben bereits eine Reihe von europa- und weltweiten Sommelier-Wettbewerben bestritten. Unter ihnen befinden sich Namen der heimischen Top-Sommelerie, aber auch einige, die in der Ferne gastronomische Karriere machten. Bereits um 9 Uhr morgens fiel im ARCOTEL Wimberger in Wien der Startschuss für einen langen Tag mit einer Vielzahl unterschiedlicher Prüfungsaufgaben. Auf die 20 Wettbewerbskandidaten wartete zunächst eine schriftliche Arbeit, die bereits auf höchstes internationales Niveau ausgerichtet war. Im Anschluss ging es darum, in einer Blindverkostung Weine zu erkennen und – ohne tatsächlich zu wissen, was es ist – eine Empfehlung für den perfekten Einsatz im Rahmen eines Menüs zu argumentieren sowie einen formvollendeten Weinservice durchzuführen. Um 14 Uhr startete das Halbfinale der nunmehr acht besten Kandidaten, die in einer nachgestellten Restaurantsituation „besonders schwierige Gäste“ zufriedenstellen mussten.

Annemarie Foidl, Präsidentin der Sommelier Union Austria nach dem Halbfinale:

„Jeder einzelne Halbfinalist hat gezeigt, dass er in der Oberliga spielt. Wir sind stolz, diese Sommeliers in Österreich zu haben und stolz, dass so viele international tätige Sommeliers für den Wettbewerb nach Österreich gekommen sind.“

Nervenkitzel auf Etappen

Erst am Abend wurden schließlich die Namen jener drei Teilnehmer bekannt gegeben, welche am besten abgeschnitten hatten und im Rahmen eines Galadinners nun live auf der Bühne vor rund 180 Gästen ihr Können zeigen konnten. Moderiert wurde der Abend von Annemarie Foidl, Präsidentin Sommelier Union Austria und von Bernd Kreis, Bester Sommelier Europas 1992, Deutschland. Dem internationalen Anspruch entsprechend wurde fortan in englischer Sprache kommuniziert. Gleich bei der ersten Aufgabenstellung war Vielseitigkeit gefragt, als drei Weine blind zu erkennen und für drei verschiedene Zielgruppen zu präsentieren waren: zunächst für Profis mit einer kompletten technischen Beschreibung, dann für Gäste in einem Empfehlungsgespräch und anschließend in der Rolle als Chef-Sommelier für das fiktive Serviceteam. Bei den drei Weinen handelte es sich jeweils um die Sorte Blaufränkisch aus drei verschiedenen DAC-Gebieten des Burgenlands.

Irreführungen mit Potenzial zum Folgefehler

Als Überraschungsgast betrat die Schauspielerin Angelika Niedetzky mit einem Cocktail die Bühne und bat die Kandidaten, sie mögen ihr sagen, was dieser beinhalte. Dem folgte eine Aufgabe, die sich einfach anhörte, sich aufgrund der eingebauten Fallen aber als veritable Herausforderung entpuppte: Ein 2015 Mouton Réserve Saint-Émilion sollte den Gästen serviert werden. Von den drei vorhandenen Flaschen war eine jedoch aus dem Médoc, was bei flüchtiger Betrachtung nicht auffiel. Auch war nur eine Flasche richtig temperiert, just wurde diese aber stehend bereitgestellt, was – sofern der richtige Wein gewählt wurde – ein Dekantieren mit Servierkorb nicht mehr erlaubt war, um kein Depot aufzuwirbeln. Ebenfalls als knifflig erwies sich das Korrigieren einer fehlerhaften Weinkarte und die Weinempfehlung zu einem Menü, wobei die Weine nur aus dem alpinen Raum kommen durften.

Österreich hat einen neuen Sommelier-StaatsmeisterWer kennt den Kellermeister von Dom Perignon?

Bei den finalen Aufgaben standen sich alle drei Kandidaten auf der Bühne gegenüber. Unter anderem wurden ihnen zehn Fotos von internationalen Weingütern und Weinpersönlichkeiten gezeigt, welche sie schnellstmöglich erkennen mussten. Dazu zählte die Tenuta Petra in der Toskana und Château Beychevelle sowie die Herren Richard Geoffroy, Kellermeister von Dom Perignon und Georges Duboeuf aus dem Beaujolais. Als finale Aufgabe galt es, eine Flasche Champagner Ruinart auf die bereitgestellten neun Gläser gleichmäßig aufzuteilen, ohne je bei einem Glas ein zweites Mal nachzuschenken. Dass die Anzahl der Schaumweingläser nicht die angekündigte war, durchschauten alle drei Kandidaten und bewiesen auch beim Einschenken gleichermaßen viel Geschick.

Fotos ©: Christine Miess

Quelle: grosswerk Kunst & Kulinarik